Tag 7: ULT & DWT

„ARD, ZDF, C&A
BRD, ULT und DWT....“

Man könnte den Fanta 4 Song „MfG“ locker adaptieren. Wir haben einfach ein Talent für sperrige Namen, die abgekürzt werden. Drei Großbuchstaben auf „Lang-Deutsch“ die Dieter Winneknecht Textil GmbH, kurz DWT. Oder auf „Lang“, die Umwelt-Lufttechnik, kurz ULT. Drei Buchstaben, zwei Unternehmen, aber ein Gedanke: den Standort Oberlausitz nach vorne zu bringen. In beiden Familienunternehmen führen äußerst sympathische Geschäftsführer in zweiter Generation die Geschicke. Zwei unterschiedliche Branchen, aber beide Unternehmer bringen das Kernproblem auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner: „Wir finden keinen Nachwuchs.“ Es gäbe sogar eine ganz einfache Lösung für dieses Dilemma. Aber mehr dazu später. 

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Unsere Unternehmertour beginnt bei den DWT Zelten in Niesky. 

Hinter einem kleinen Kriegsdenkmal stehen zwei zweckmäßige Flachbauten, daneben das Verwaltungsgebäude. Kurze Wege, offene Türen und ein Geschäftsführer, der über das ganze Gesicht strahlt.  Claus Winneknecht, dem eigenen (Gründungs-)Vater wie aus dem Gesicht geschnitten, spürt man den Unternehmergeist an. Es sei doch eine spannende Zeit momentan, sagt er. 

Klar, Caravaning & Camping boomt, nicht nur wegen Corona. „Früher hat man einen Brief geschrieben und eine Woche auf die Antwort gewartet. Und heute? Ist die Antwort in Sekunden da.“ Die Basis der Kommunikation hat sich verändert, den Stress und die Schlagzahl erhöht. Aber das mache es eben auch spannend. Noch ist die EU der größte Markt für Camping, aber Asien, insbesondere Japan, merkt auch, es gibt noch mehr als nur die Arbeit. 

DWT Zelte gehört zu Top 3 auf dem Markt. Ein großer Spieler im Business, bodenständig und solide in einem kleinen unscheinbaren Industriegebiet von Niesky. 12.000 Zelte aller Art pro Jahr werden bei DWT produziert. 70-80 verschiedene Modelle, die von Hand genäht werden. Der Chef nimmt uns persönlich mit in die Näherei. Ich sehe nur Frauen an den Maschinen, mittendrin sitzt ein Mann. Ejad Al Hajabd, 39 Jahre, Vater von 4 Kindern. Schneider aus Damaskus, mit dem Schlauchboot über das Mittelmeer 2015 nach Deutschland geflohen. Ich suche in seinem Gesicht nach Spuren der Kriegsschrecken, der Angst während der Flucht, dem Elend – aber ich sehe nur Dankbarkeit und Demut. 

Bescheiden und höflich gibt er mir Auskunft. Syrisch-Arabisch und Deutsch sind nicht nur unterschiedliche Sprachen, es sind Paralleluniversen. Vor mir sitzt ein Mann, der in nur 6 Monaten Deutsch gelernt, sich einen Job gesucht hat und eine 5-köpfige Familie damit ernährt. Ich habe keine weiteren Fragen. Wenn man will oder muss, kann man alles erreichen.

Ejad, ist einer meiner besten Mitarbeitenden, sagt Claus Winneknecht wertschätzend und damit irgendwie unausgesprochen auch viel über den Leistungswillen der Generation Z. Womit wir dem Kern des Problems „Kein Nachwuchs“ schon einen ersten Schritt näher gekommen sind. 

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Ortswechsel nach Löbau zu ULT. 

Anderes Industriegebiet, ähnliche Gebäudestruktur. Absaugen. Filtern. Dranbleiben - steht im Showroom neben dem Empfangstresen. Klingt erst mal nicht besonders sexy, aber das Aerosole gefährlich sein können, sollte inzwischen jede(r) mitbekommen haben. Die ULT kann mit ihren Geräten unter anderem unsichtbaren, aber schädlichen Laserstaub absaugen. Das können nicht viele, schon gar nicht in der Region. Hier sitzt schon wieder ein mittelständisches, innovatives Unternehmen mit offenen Strukturen und einer wertschätzenden Haltung, aber der Nachwuchs „posted und youtubed“ lieber von zu Hause und träumt damit die neue, globale „American Dream“- Illusion vom Bomben-Gehalt mit möglichst keinem Aufwand.  

Die Jakschik Brüder führen das Unternehmen des Vaters. Der Jüngere, Alexander, sitzt mir gegenüber. Jung genug, um die Denke der Jugend zu verstehen, und alt genug, um seriös ein Unternehmen zu führen. Der 39-Jährige hat Wirtschaftsingenieurswesen in Dresden studiert, in Indonesien und Australien gearbeitet und ist 2015 ins Unternehmen eingestiegen. Ich habe selten ein so offenes Interview mit einem Geschäftsführer geführt. Es ist mehr Gespräch als Interview, in dessen Verlauf er ehrlich über den Respekt vor der Verantwortung spricht. Auch dass es ihm anfangs nicht leicht gefallen sei, wieder in die ländliche Region zurück zu kommen. Aber er beobachte bei vielen Bekannten den Trend in der alten Heimat sesshaft zu werden. Keine Staus, bezahlbarer Wohnraum, sagenhafte Natur – die Vorteile liegen auf der Hand. 

Das Problem der Region Niederschlesische Oberlausitz sei nicht ein exklusives Problem dieser Gegend, sagen die beiden Unternehmer Jakschik und Winneknecht unisono. Es sei ein grundsätzliches Problem in Deutschland. Soll heißen, auf der einen Seite stehen diese beiden Unternehmer ganz unterschiedlicher Branchen. Sie bieten flache Strukturen, moderne Arbeitszeitenregelungen, fairen Lohn und damit die Chance, sich in der eigenen Region etwas aufzubauen. Dem gegenüber steht die Frage, wenn die eigene Jugend diese Ausbildungen und Jobs nicht mehr machen will, wer oder was dann?

„Veränderung fängt immer bei uns selber an.“ schlussfolgert Claus Winneknecht vielsagend. 

THX ULT & DWT!

MfG!